„Fachkräftemangel“ – ein verlogenes Schlagwort!
Von Per Lennart Aae

Deutsche Geisterfahrt nach "Nirgendwo"
Deutschland hat Millionen Unterbeschäftigte. Nicht nur die etwa drei Millionen offiziellen Arbeitslosen, sondern außerdem mindestens weitere drei Millionen „versteckte“ Arbeitslose, zum Beispiel in „Maßnahmen“ Beschäftigte, krankgeschriebene Arbeitslose, über 56-jährige Arbeitslose, Arbeitslose, die kein Hatz IV bekommen, weil sie zuerst durch Verzehr ihrer Rücklagen und Alterssicherung richtig arm werden sollen, u.s.w., u.s.f.
Deutsche Ingenieure arbeitslos, ausländische werden angeworben
Hunderttausende qualifizierte deutsche Ingenieure über 50 Jahren sind arbeitslos oder unterbeschäftigt, weil die Unternehmen lieber jüngere – und nach dem Willen von Bundesregierung und Arbeitgeberverbänden zunehmend ausländische – Fachkräfte einstellen, um ihre internationale „Wettbewerbsfähigkeit“ zu erhalten oder gar zu verbessern. Aus demselben Grund sind laut einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) seit dem Jahr 2000 die Realeinkommen in den unteren Einkommensgruppen um bis zu 22 Prozent gesunken. Dabei sind wir schon so „wettbewerbsfähig“, daß andere Länder deswegen inzwischen Pleite gehen. Ein Zustand, der nach dem gesunden Menschenverstand sowieso nicht auf die Dauer haltbar ist, sondern vielmehr in einer Katastrophe enden muß – und wird!
742.000 Leiharbeiter – potentielle Arbeitslose
Weit über 50 Prozent der durch den derzeitigen „Konjunkturaufschwung“ entstandenen Arbeitsplätze sind Leiharbeitsplätze. Deren Inhaber sind alle potentielle Arbeitslose, im Moment 742.000, fast so viele wie Beschäftigte in der deutschen Maschinenbauindustrie. Hinzu kommt eine nicht näher bezifferbare Anzahl von befristeten Arbeitsverträgen, für deren Inhaber das Gleiche gilt.
Der Crash kommt
Wie gesagt, alles potentielle Arbeitslose! Denn Leiharbeit und befristete Arbeitsverträge bestehen natürlich nicht ohne Grund. Die Unternehmen wissen, daß der derzeitige „Konjunkturaufschwung“ auf äußerst wackeligen Füßen steht, und daß es täglich, ja stündlich, zu einem neuen spektakulären Zusammenbruch des internationalen Wirtschafts- und Finanzsystems und dann auch der deutschen Exportüberschüsse kommen kann. Und letztere sind – es kann nicht oft genug gesagt werden – ohnehin absolut pathologisch und auf die Dauer gar nicht möglich, aufrecht zu erhalten.
„Konzept“ der Bundesregierung
Trotzdem hat die Bundesregierung im Juni ein „Konzept zur Fachkräftesicherung“ beschlossen, das die Realitäten in Deutschland so wenig berücksichtigt, daß man sich fragen muß, ob die Verantwortlichen schwachsinnig sind oder vor haben, uns kaputt zu machen. Denn sie wollen zunächst „gut ausgebildete Frauen, die aus familiären Gründen nicht erwerbstätig sind“, zur Erwerbsarbeit drängen. Also, im Klartext, die Gründe für den vermeintlichen „Fachkräftemangel“ noch forcieren, denn diese können ja wohl nur im Verfall der Familie und im Geburtenrückgang bestehen. Gleichzeitig wollen sie die Anwerbung von Fachkräften aus Ländern der EU forcieren und die sogenannte Vorrangprüfung für Elektro-, Maschinen- und Fahrzeugbauingenieure sowie für Ärzte aus Ländern auch außerhalb der EU aufheben.
Bundesagentur für Ausländerbeschäftigung
Dementsprechend hat die Bundesagentur für Arbeit, die ja eigentlich dafür zuständig sein sollte, deutsche Arbeitslose in Arbeit und Brot zu bringen, zunächst damit begonnen, „qualifizierte“ Zuwanderer aus europäischen Krisenländern wie Spanien, Griechenland und Portugal anzuwerben. Tausende arbeitsloser Spanier, darunter viele Ingenieure und IT-Spezialisten, seien nach offizieller Darstellung der Arbeitsagentur an einer Arbeit in Deutschland interessiert, des Weiteren Pflegekräfte aus Portugal, Ärzte aus Griechenland u.s.w., u.s.f.
„Unmoralisch und unethisch“
Daß diese Abwerbung von Fachkräften im Ausland „zutiefst unmoralisch und unethisch“ ist, wie der Präsident des Deutschen Pflegerats festgestellt hat, weil diese Kräfte in ihren Heimatländern benötigt werden, zumindest wenn sich deren Wirtschaft und Sozialsysteme stabilisieren sollen, das scheint für die Verantwortlichen für diese BRD-Schwachsinnspolitik keine Rolle zu spielen.
Globalisierung = Verfall von Ländern und Regionen
Das entscheidende Argument gegen die „Fachkräftemangel“-Hysterie ist aber, daß sie auf der irrigen Annahme beruht, die im derzeitigen globalisierten Wirtschafts- und Finanzsystem, insbesondere auf EU-Ebene, gegebene Aufteilung der Staaten in solche, die riesige Überschüsse „erwirtschaften“, und andere, die entsprechende Defizite hervorbringen, sei eine zukunftsfähige Konstellation, die ewig so bestehen könne. – Das Wort „erwirtschaften“ ist übrigens zurecht in Gänsefüßchen zu setzen, da ja die Überschüsse im Prinzip Waren und Dienstleistungen entsprechen, die verschenkt werden. – Was in dieser Hinsicht für die Staaten gilt, gilt auch für die Regionen innerhalb der Staaten, nicht zuletzt innerhalb Deutschlands. Die Globalisierung, insbesondere die im Rahmen der EU, hat zu einem dramatischen Niedergang regionaler und nationaler Wertschöpfungsketten geführt. Die Wertschöpfung findet zunehmend in global organisierten und strukturierten Netzwerken statt, die nicht mehr im Einklang sind mit den Anforderungen, die an die regionalen sozioökonomischen Strukturen zu stellen sind, wenn wir unsere Kultur- und Siedlungslandschaft flächendeckend erhalten wollen. Während die boomenden Business-Regionen, wie in Deutschland z.B. Stuttgart, Frankfurt am Main oder Hamburg, vor Überhitzung aus den Nähten platzen, fallen viele Regionen so stark zurück, daß schon an deren “Schließung” gedacht wird. Zu dieser Entwicklung kommt es, weil dort kaum noch etwas produziert wird und sogar die regionalen Dienstleistungen von Konzernen übernommen und vermarktet werden. Andererseits müssen die in diesen Regionen lebenden Menschen natürlich nach wie vor konsumieren, und sie beanspruchen einen Lebensstandard, der zumindest annähernd mit dem von anderen Regionen vergleichbar ist. Die Ansprüche verteilen sich gerade durch die Globalisierung immer gleichmäßiger, während die zu ihrer Realisierung erforderlichen sozioökonomischen Strukturen immer ungleichmäßiger verteilt sind. Also müssen die Menschen in den benachteiligten Regionen alimentiert werden. Auf die Dauer wollen sie dies aber nicht, und die öffentlichen Kassen, allen voran die kommunalen, können es auf die Dauer auch nicht leisten. Deswegen wandern die Menschen ab, besonders die jungen, leistungsfähigen Menschen. Wenn es aber immer weniger qualifizierte Menschen vor Ort gibt, werden die Aussichten, die Entwicklung durch Gewerbeansiedlung zu wenden, natürlich immer schlechter. So dreht sich die Schraube nach unten.
Systemwechsel überfällig
Viele Regionen in Deutschland sind schon hiervon betroffen, nicht nur im Osten Deutschlands! Gerade in einem überbevölkerten Land und im Zeitalter der wegen elektronischer Kommunikation und moderner Verkehrstechnik schrumpfenden Entfernungen ist diese Entwicklung völlig absurd, nicht nur im engeren ökonomischen Sinne, sondern auch aus sozialer, kultureller und ökologischer Sicht. Man muß aber erkennen, daß sie nicht wirklich mit etwaigen immanenten Defiziten an “Wettbewerbsfähigkeit” u.s.w. (siehe zum Beispiel die Oberlausitz!) und schon gar nicht mit irgendwelchen moralischen Kategorien, wie einer vermeintlichen “Faulheit” der Betroffenen, zu tun hat, sondern vielmehr mit dem vorherrschenden globalisierten Wirtschafts- und Finanzsystem selbst. Da dieses die beschriebene Entwicklung gefördert, ja geradezu zwingend gemacht hat, muß es an Haupt und Gliedern reformiert werden. Denn der fortschreitende Rückbau in den Niedergangs- und Schrumpfungsregionen droht irreversibel zu werden, und es gibt kein – von seinen Nutznießern! – noch so lieb gewonnenes politisch-ökonomisches System, das dieses Opfer wert ist!
Auch Griechenland ein Opfer der Globalisierung
Genau wegen derselben Schräglage, die innerhalb Deutschlands festzustellen ist, haben auch Länder wir Griechenland ihre heute im Rahmen der „Euro-Krise“ bekannten Probleme: Das Leistungsbilanzdefizit Griechenlands belief sich 2009 auf 26,7 % oder 11,2 % des BIP. Hätte Deutschland ein vergleichbares Defizit, müßte es sich auf 325 Milliarden Euro belaufen. Wir hatten aber (im Krisenjahr!) 2009 statt dessen ca. 60 Milliarden Leistungsbilanzüberschuß. 2007 waren es fast 200 Milliarden, 2008 über 150 Milliarden, und jetzt sind wir wieder mit fliegenden Fahnen auf dem Weg nach oben. Genau diese Überschüsse sind es, die die Defizite von Ländern wie Griechenland, Portugal etc. geradezu logisch zwingend machen. Und dieses, dem internationalen und europäischen Wirtschafts- und Finanzsystem innewohnende, also systemimmanente, ungesunde Ungleichwicht ist es, daß die kleinteilige griechische Volkswirtschaft systematisch zersetzt und auflöst – übrigens genau so wie die Wirtschaft in der Oberlausitz, der Uckermark, in Ostbayern, im Ruhrgebiet u.s.w. – Und dadurch entsteht wiederum die hohe Arbeitslosigkeit in den betroffenen Regionen und Ländern.
Ist es bei diesem Sachstand sinnvoll, daß die griechischen Arbeitslosen in die BRD gehen, damit hier noch mehr produziert und exportiert wird, während in Griechenland die sozioökonomischen Strukturen noch mehr implodieren? Ist es sinnvoll, daß die jungen Leute aus Mitteldeutschland, den ehemaligen industriellen Kernländern des Deutschen Reiches, in die Ballungszentren der westlichen Bundesländer gehen, damit letztere noch mehr aus den Nähten platzen, während Mitteldeutschland noch mehr Substanz verliert, und sein Niedergang in absehbarer Zeit unumkehrbar wird?
Die Frage stellen, heißt, sie beantworten! Deswegen brauchen wir eine Wende, eine Abwendung von der Globalisierung und auch vom heutigen Machtapparat der BRD, denn dieser vernichtet unser Volk, wie die Globalisierung alle Völker vernichtet.

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