Fiktive Stadtratswahl endet im Desaster – Abstimmungsergebnisse werden nicht veröffentlicht
Das hatten sich die Initiatoren von „Vitae Laubegast“, einem Gutmenschenbündnis in dem südöstlichen Dresdner Stadtteil, so schön vorgestellt: Wir machen eine tolle Aktion gegen die NPD mit einer Probeabstimmung „gegen rechts“. Wenn ganz viele Menschen mitmachen, so ihr Glaube, werden die „Nazis“ ihr blaues Wunder erleben.
Anlaß für die fiktive Abstimmung und zuvor für die Gründung von „Vitae“ unter dem Dach des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) war das gute Abschneiden der Nationaldemokraten im eher bürgerlich geprägten Laubegast – Kreisvorsitzender Jens Baur zog hier in den Stadtrat ein. Zudem waren auch Aktivitäten nicht-linker Jugendlicher ein Dorn im Auge der selbsternannten Demokraten.
Aus der „tollen Idee“ wurde aber nichts. Nachdem wenige Tage nach dem Start der Abstimmung im Internet die NPD deutlich im zweistelligen Bereich lag, blendete man zunächst die Zwischenergebnisse aus und kündigte an, eine Woche nach dem Inselfest, das den Abschluß der „Wahl“ bilden sollte, werde man die Ergebnisse veröffentlichen.
Und nun das: Auf der Netzseite von „Laubegast ist bunt! Netzwerk Vitae Laubegast“ heißt es:
„Guten Tag liebe Wahlinteressierte!
Leider ist es uns nicht möglich, wie angekündigt die Wahlergebnisse der fiktiven Stadtratswahl zu veröffentlichen, da die Wahlbeteiligung zu niedrig war und das Ergebnis damit nicht auswertbar.“
NPD-Stadtrat und Kreisvorsitzender Jens Baur kommentierte:
„Noch armseliger geht es wirklich nicht mehr: Nachdem die NPD bei der groß angekündigten fiktiven Stadtratswahl bereits im zweistelligen Bereich lag, wurden erst die Zwischenergebnisse der Onlinewahl aus dem Netz genommen und nun wurde das gesamte Ergebnis eingestampft, weil es den Verantwortlichen offensichtlich nicht gepaßt hat. Was für ein Lehrstück in Sachen Demokratieverständnis der Gutmenschen! Sechs setzen!“
Ob „Vitae Laubegast“ nach dieser blamablen Aktion weiter öffentliche Gelder zugesteckt bekommt, bleibt abzuwarten. Immerhin erhielt der CVJM für das dubiose Netzwerk schon im ersten Jahr seiner Existenz (2010) 16.330 Euro von der Stadt.
Vermutlich wird nun wohl ein anderer Anti-Rechts-Verein die Pannentruppe unter seine Fittiche nehmen. An diesen mit Steuermitteln finanzierten Organisationen herrscht schließlich auch im CDU- und FDP-regierten Dresden kein Mangel.
Holger Szymanski

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